Adieu mein geliebter Sonntagszopf

Zopf (1 von 1)

Seit über 15 Jahren lag am Sonntag auf unserem Frühstückstisch fast ausnahmslos ein handgemachter Butterzopf aus dem Café Dösegger in St.Gallen. Wir haben uns zuvor extra durch sämtliche Bäckereien, Konditoreien und Cafés der Stadt gefuttert, um herauszufinden, welcher Zopf uns am besten schmeckt. Der von Christian Dösegger traf auf Anhieb unseren Geschmack. Die Kruste war goldgelb, nicht zu hart und das Innere war angenehm weich mit einer leichter Butternote – so wie ein Butterzopf halt eben schmecken muss. Und egal was man draufgeschmiert oder -gelegt hat: es schmeckte wunderbar! Doch jetzt ist leider für immer Schluss damit. Aus dem Familienbetrieb Café Dösegger wird Anfang August eine Filiale der Confiserie Roggwiler AG. Das ist zwar auch ein St.Galler Traditionsunternehmen mit vielen sehr feinen Produkten, wie beispielsweise die Quiches, die Salate oder die Schinkenbrötchen, aber der Zopf sagt uns leider nicht sonderlich zu.

Und dann war da auch noch der Osterkuchen von Dösegger. Dafür wäre meine Partnerin vermutlich meilenweit gelaufen. In der Kälte. Barfuss. Und ohne Jacke. Musste sie aber nicht, da Christian Dösegger ihr als grössten Dösegger-Osterkuchen-Fan auch schon mal mitten im Sommer als Überraschung einen Osterkuchen gebacken hat. Auch in Sachen Osterkuchen haben wir uns übrigens durch sämtliche lokalen Anbieter gekostet. Und auch hier gewann Dösegger mit grossem Abstand.

Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: Dösegger hat wohl samstags jeweils mehr Zöpfe verkauft, als Roggwiler in allen seinen drei Filialen zusammen. Vielleicht ist man sich ja dessen in der Roggwiler-Geschäftsleitung bewusst und setzt künftig (ganz oder teilweise) auf das Zopf-Rezept von Dösegger. Sie hätten sicher mindestens zwei neue Stammkunden.

Mein Leben als Neo-Pendler

Pendeln (1 von 1)

Seit Anfang November arbeite ich zwei Tage pro Woche als Selbständiger in den Bereichen Text und Video und drei Tage als Teamleiter Content in einer Brandingagentur in Zürich. Das heisst, dass ich nun drei Mal pro Woche mit dem Zug von meinem Wohnort St.Gallen nach Oerlikon fahre – und am Abend natürlich auch wieder zurück. Am Morgen klingelt der Wecker jeweils um 05:45 Uhr, abends bin ich frühestens um 19 Uhr wieder zu Hause. Früh auzufstehen bin ich mir gewohnt, da ich früher im Radio etwa 5 Jahre lang in der Morgenshow mitgewirkt habe und dafür schon um 04:30 Uhr aufstehen musste.

Neuland ist für mich hingegen, dass ich regelmässig eine gleiche Strecke mit dem Zug fahre. Da ich kein Auto habe, mache ich das in der 1. Klasse, was die Sache vor allem bei Stosszeiten wesentlich angenehmer macht.

Meine ersten Pendler-Tage waren allerdings geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. In den ersten vier Tagen erlebte ich bereits zwei Mal einen ausserordentlichen Halt, einen Personen-Unfall mit anschliessender Zug-Räumung, einen Stromausfall, einen Ausfall der Heizung und zwei grössere Verspätungen. Und am vergangenen Donnerstag gab’s noch eine Doppel-Panne: Erst hatte mein Zug „unbestimmte Verspätung“ und als er dann endlich eintraf, liessen sich die Türen nicht öffnen.

Das kostet natürlich Nerven, sowohl meine als auch die meiner Freunde, die natürlich über Social Media über solche Vorkommnisse informiert werden müssen:

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Es gibt aber auch solche, die zeigen durchaus etwas Mitleid:

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Und solche, denen es noch schlechter geht:

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Aber natürlich gab’s in den vergangenen zwei Wochen auch durchaus Positives: So hat mich beispielsweise sehr überrascht, wie flüssig sich die Pendlermassen in Zürich bewegen und wie höflich der Umgang unter den Pendlern ist. Das mag aber ev. auch daran liegen, dass die Züge die ich morgens und abends nehme, selten wirklich überfüllt sind. Deppen, die ihr Gepäck und ihre Beine gerne mal über mehrere Sitze verteilen oder die bei der Einfahrt des Zuges sofort vor die Türen hechten um den aussteigenden Pendlern den Weg zu versperren, gibt’s natürlich auch auf meiner Strecke. Überrascht hat mich diesbezüglich, dass es unterdessen nicht nur Jugendliche oder Erwachsene in den 30ern und 40ern sind, die die Unsitte des „im Weg stehen“ angenommen haben, sondern auch ältere Personen, von denen ich als Kind noch Sätze wie: „Man lässt die Leute erst aussteigen!¨“ eingebläut bekam.

Solche Menschen und solche vom Typ Thunfisch-Sandwich-Esser, Schnarcher, Sabberer, Endlostratscher oder Dusch-Verweigerer machen das Pendeln zu einem ganz besonderen Erlebnis, an dem ich euch (v.a. die Nicht-Pendler) künftig gerne regelmässig teilhaben lassen möchte – Zug um Zug.

Es muss nicht immer teures Hollywood-Equipment sein

Neben klassischen ENG-Kameras kommen auf meinen Drehs auch immer wieder DSLR-Kameras zum Einsatz, meist in Kombination mit einem 35-mm-Weitwinkelobjektiv. Ich mag das Spiel mit Schärfe/Unschärfe sehr. Es gibt dem Betrachter eine ganz spezielle Nähe zum Geschehen. Kommt dazu, dass der Einsatz dieses Equipments für den Kunden wesentlich günstiger ist, als wenn man die grossen Kamera-Geschütze auffährt.

Kürzlich habe ich für die Auto-Show St.Gallen eine Guerilla-Aktion gefilmt, bei der 4000 Traumautos verschenkt wurden. Um die Passanten, die sich die Autos aussuchten nicht zu erschrecken, habe ich die Aktion mit meiner Canon 600D gefilmt. Den Ton dazu habe ich mit einem RHØDE-Mikrofon eingefangen.

Ein weiterer Grund für die Wahl des Equipments war, dass alles sehr schnell gehen musste am Drehort. Da es für die Aktion verständlicherweise kein Drehbuch gab musste ich flexibel reagieren und meinen Standort am Set schnell wechseln können, ohne die Kamera immer wieder neu einrichten zu müssen. Da die technischen Möglichkeiten eine DSLR wesentlich geringer sind als die einer Profi-Videokamera, ist man im Handling natürlich auch entsprechend schneller.

Den Schnitt meiner Videos mache ich übrigens seit einiger Zeit vor allem auf Final Cut Pro X. Zwar lästern viele Kollegen über das vereinfachte FCP, doch ist es unterdessen wesentlich ausgereifter als die früheren Versionen und dank entsprechenden Plug-ins nun auch in Sachen Effekte und Übergänge sehr breit einsetzbar. Der grösste Vorteil von FCPX gegenüber seinen Vorgängern ist jedoch, dass das Arbeiten durch die vielen Vorlagen vereinfacht wird und somit auch zeitsparender gestaltet werden kann.

Mein bislang heissester Dreh

Ich war als Kameramann ja schon an einigen mehr oder weniger ausgefallenen Orten unterwegs: Ski-Weltcup-Abfahrtspisten, Kettensägewerke, Kernkraftwerke, Schulen (ja, das kann ganz schön herausfordernd sein) und natürlich in der Öffentlichkeit, wo man immer mal wieder die eine oder andere etwas seltsame Person vor die Linse bekommt. Und heute war mal wieder so ein Tag. Ok, die Location war zwar nicht sonderlich ausgefallen, dafür umso heisser: es war ein Heizkraftwerk in dem aus Müll Energie gemacht wird. Eine gute halbe Stunde standen wir etwa einen halben Meter vor dem Ofen um Aufnahmen des Ofen-Innenraums bzw. des Feuers zu machen – und das bei gefühlten 1000 Grad! Der adrette Bob-der-Baumeister-Helm hat die Sache auch nicht wirklich angenehmer gemacht. Immerhin hat die Brille verhindert, dass mir der Schweiss dauernd in die Augen laufen konnte.

Nichts desto trotz: eine tolle Sache so ein Heizkraftwerk. So sind die Unmengen Müll die wir produzieren wenigstens noch zu etwas nütze.