„Himmelfahrtskommando“ – schräg, witzig und schwarz

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Erfrischend anders ist der neue Schweizer Kinofilm „Himmelfahrtskommando“ des Ostschweizer Regisseurs Dennis Ledergerber. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Filmcrew wegen mangelnder staatlicher Förderung nur gerade 100’000 Franken dafür zur Verfügung hatte. Da wurde bei anderen Schweizer Filmen aus wesentlich mehr Geld, auch schon wesentlich weniger gemacht.

Die fehlenden Staatsgelder hatten allerdings den Vorteil, dass sich Ledergerber bei den Dreharbeiten an keinerlei Vorgaben halten musste. Herausgekommen ist dabei eine freche, witzige, und vor allem schräg-schwarze Alpen-Western-Komödie.

Trotz oder gerade wegen der fehlenden Unterstützung des Bundes, haben sich gestandene Schweizer Schauspieler wie Andrea Zogg, Walter Andreas Müller und Beat Schlatter bereit erklärt, ohne jegliche Gage mitzuwirken. Das sei ihre Art der Nachwuchsförderung, sagt Schlatter. Auch die übrigen Schauspieler sowie die Statisten arbeiteten ohne Gage.

„Himmelfahrtskommando“ basiert auf einer Novelle des Ostschweizer Autors Stefan Millius und spielt im fiktiven Dorf Gottllingen. In dem beschaulichen Dörfchen lassen sich eines Tages neun Mitglieder einer amerikanischen Sekte nieder. Kurz darauf kommen sie bei einem Unfall ums Leben und hinterlassen eine grosse Menge Geld. Die Dorfbewohner reissen sich das Geld unter den Nagel und beseitigen die Spuren des Unfalls. Als plötzlich Kollegen der Verstorbenen im Dorf auftauchen und unangenehme Fragen stellen, beginnt eine rasante Vertuschungsaktion, die dramatisch endet.

Erzählt wird die Geschichte nicht chronologisch, sondern in Kapiteln. Das ist zu Beginn vielleicht etwas verwirrend, doch umso schöner sind dann die Aha-Erlebnisse, wenn am Ende eines Kapitels jeweils vieles wieder klarer wird und die Geschichte immer mehr Form annimmt. Bis zum bereits erwähnten, dramatischen Finale.

Wer Tarantino-Filme mag (so wie Regisseur Ledergerber), mag mit Sicherheit auch „Himmelfahrtskommando“. Und wer Walter Andreas Müller noch von TV-Komödien in Erinnerung hat, sollte diese Bilder schnellstmöglich wieder vergessen und sich auf einen ganz anderen aber ebenso brillianten WAM gefasst machen. Kurzum: Wer „Himmelfahrtskommando“ noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt noch nachholen.

Kinobetreiberin Kitag will HFK nicht

An dieser Stelle noch ein kleiner Seitenhieb an die Kitag, die grösste Schweizer Kinobetreiberin. Sie zeigt „Himmelfahrtskommando“ in ihren Kinos nämlich nicht. Und so fand die Weltpremiere nicht in St.Gallen statt, wo ein Grossteil der Filmcrew herkommt, sondern im Pathé-Kino im zürcherischen Dietlikon. Schweizer Filme wären für die Kitag nicht lukrativ genug, heisst es. Das wäre etwa so, wie wenn Schweizer Radiostationen keine Schweizer Musik spielen würden, weil diese im internationalen Vergleich weniger umsatzstark ist. Doch wer mit einem Budget von 100’000 Franken einen Kinofilm realisieren kann, für den ist der fehlende Wille der Kitag kein Problem, sondern eine Herausforderung. Und darum läuft der Streifen nun in St.Gallen bis auf weiteres im alten Kino Corso. Mehr dazu im Artikel des St.Galler Tagblatts vom 15. März 2013.