Unsere Wildbienen nisten

Seit rund fünf Wochen schwirren bei uns auf der Dachterrasse nun Mauerbienen herum. Aus den 15 Kokons, die uns mit dem Bienenhotel mitgeliefert wurden, schlüpften schätzungsweise acht bis zehn Bienen – und die legen sich mächtig ins Zeug. In den vergangenen Wochen haben die Weibchen im kleinen Bienenhotel bereits 17 Nester gebaut, im grossen sind es neun.

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Ein solches Nest besteht aus mehreren Brutzellen.  Jede dieser Zellen wird mit einer Mischung aus Pollen und Nektar versorgt. Auf diese Mischung legt das Weibchen ein einziges Ei. Danach wird die Brutzelle mit einer dünnen Wand aus lehmiger Erde verschlossen. Diese Wand bildet gleichzeitig den Boden für die nächste Brutzelle. So reiht die Mauerbiene Brutzelle an Brutzelle bis das Nest voll ist. Zum Schluss wird das Nest mit einem dicken Pfropfen aus lehmiger Erde verschlossen.

Zu unserer Population gehören sowohl Rote als auch Gehörnte Mauerbienen (Osmia bicornis und Osmia cornuta). Die Gehörnte Mauerbiene ist bis etwa Mitte Mai aktiv, die Rote bis weit in den Juni hinein. Nach ihrer aktiven Zeit bzw. nach dem Nestbau sterben die erwachsenen Bienen.

Friedlich und nicht an Menschen interessiert

Ich bin zwar ein sehr naturverbundener Mensch, dennoch hätte ich nie gedacht, dass es so spannend sein kann, Bienen beim Nestbau zuzuschauen und ihr Verhalten zu studieren. So fliegen sie beispielsweise nur aus drei Richtungen aus und ins Hotel. Mit Ausnahe einer Biene, die immer erst aufs Dach des Bienenhotels krabbelt und von dort aus losfliegt. Und wenn zu viel Anflugverkehr vor dem Hotel herrscht, kann es auch schon mal zu kleinen Rangeleien und Abstürzen kommen. Da sich die Mauerbienen weder für Menschen noch für deren Essen interessieren und äusserst friedlich sind, kann man sie problemlos auch von nahem beobachten, ohne Stiche zu riskieren. Allerdings würde man einen solchen Stich wohl kaum merken, denn der Stachel eines Mauerbienen-Weibchens ist sehr weich und wird nur im äussersten Notfall eingesetzt.

Im Moment ist es allerdings ruhig in und um die Bienenhotels herum. Seit Donnerstag regnet es nämlich ununterbrochen und die Temperaturen sind alles andere als frühlingshaft.

Unser Wildbienen-Hotel

Im vergangenen Sommer haben Celina und ich beschlossen, uns ein Bienenhotel für Wildbienen anzuschaffen. Da der Mann einer Bekannten von Celina eine Schreinerei hat, sind wir dann vor ein paar Wochen günstig zu einem solchen Hotel gekommen. Wobei günstig untertrieben ist, wir bekamen es kostenlos.

Einige Tage nachdem wir das Hotel an einem geeigneten Ort auf unserer Dachterrasse platziert hatten, kam Celinas Bruder mit einem Überraschungsgeschenk bei uns an: Einem Bienenhotel! Einem etwas edleren allerdings. Dieses Modell hat eine Schublade mit Plexiglas, durch die man den Bienen beim Nisten und Verpuppen zuschauen kann. Zudem werden 15 Mauerbienenkokons mitgeliefert.

Das Bienenhotel wurde übrigens von „Wildbiene und Partner“ hergestellt. Spannend daran ist, dass man ihnen die Innebox des Hotels im Herbst zurückschicken kann und sie die Kokons von Parasiten befreien und für eine fach- und artgerechte Überwinterung sorgen. Anschliessend erhält man von „Wildbiene und Partner“ eine saubere Box zurück und im Frühling eine neue Startpopulation Bienen.

Nach etwa drei Wochen sind die ersten Bienen geschlüpft und es kam Leben in die Behausung.

Nun macht der April ja bekanntlich was er will und dann wohnen wir auch noch auf rund 700 m ü. Meer. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Temperaturen wurden frostig und es fiel nochmals Schnee.

Wildbienen sind relativ kälteresistent und unterdessen taut es auch schon wieder. Die Temperaturen sind aber immer noch alles andere als frühlingshaft und während ich diesen Blogbeitrag schreibe, hat es wieder angefangen zu schneien. Und so traute sich bislang noch keine unserer Wildbienen wieder aus ihrer Behausung.

Mehr dazu also, sobald sie wieder fliegen.