Luftiger Sonntagsausflug

Ich habe das grosse Glück, den Alpstein mehr oder weniger direkt vor meiner Haustüre zu haben. In rund 50 Minuten bin ich mit Bahn und Bus bereits am Fusse des Säntis, dem höchsten Berg des Alpsteins. Das Alpsteingebiet eignet sich für ausgedehnte Wanderungen, Klettertouren oder Kurztouren und Spaziergänge. Eine relativ kurze aber dennoch luftige und teils ziemlich ausgesetzte Wanderung führt vom Säntis über den Lisengrat zum Rotsteinpass. Eine ideale Wanderung für einen sonnigen Sonntagmorgen, wenn man nicht allzu früh aufstehen aber dennoch etwas erleben möchte.

Und weil das Wetter bei unserer letzten Tour so prächtig war, habe ich mir die GoPro umgeschnallt, damit ihr auch etwas von unserer wunderbaren Bergwelt habt.

Hyperlapse im Schnelltest

Titel_Hyperlapse (1 von 1)

Ja, auch ich habe mir die Hyperlapse-App von Instagram heruntergeladen und warte nun gespannt darauf, was für Videos in den kommenden Wochen die sozialen Netzwerke fluten werden. Bislang habe ich allerdings vor allem Timelapse-Clips gesehen, die mit dieser App gemacht wurden und eben keine echten Hyperlapse-Videos. Darum hier nochmals kurz für alle die, die es noch nicht wissen zum Mitschreiben: Bei einer Hyperlapse bewegt sich die Kamera mit, steht sie an einem fixen Ort ist das eben „nur“ eine Timelapse, wie diese hier:


Zu Beginn haben mich bei Hyperlapse vor allem die etwas sehr dürftigen Einstellungsmöglichkeiten irritiert. Angefangen damit, dass die Videos offenbar nur mit einer Auflösung von 720p aufgenommen werden können, die bekanntlich nicht das Maximum ist, was aus einem iPhone 5s herausgeholt werden könnte. Und auch die Framerate schien fix auf 30 fps eingestellt zu sein. Was zwar nicht grundsätzlich schlecht ist, aber auch nicht wirklich sehr vielfältig.

Man braucht vier Finger dazu
Um die Einstellungen aufzurufen bzw. zu ändern tippt man in der geöffneten App mit vier Fingern vier Mal auf das Display. Danach öffnet sich das Menü „Hyperlapse Labs“.

In diesem Menü kann unter anderem die Auflösung auf 1080p hochgeschraubt werden und man kann immerhin zwischen 30 und 24 fps wählen. Weitere Möglichkeiten sind:

  • Sicherung einer nicht stabilisierten Video-Version in der Camera Roll
  • Automatische Kalibrierung
  • Hyperlapse EXTREME (max. Abspielgeschwindigkeit 40-fach statt nur 12-fach)
  • Audioanpassungen (deren Einstellungsmöglichkeiten sich mir noch nicht restlos erschlossen haben).

Besonders hilfreich finde ich, dass während der Aufnahme auf dem Display angezeigt wird, wie lange das Video nach der Umwandlung im Zeitraffermodus wird. Die Anzeige gilt allerdings nur für die 6-fache Abspielgeschwindigkeit und lässt sich nicht an die übrigen Geschwindigkeiten anpassen. Die beiden Zeiten sind neben dem Start-/Stopp-Button übrigens die einzigen Anzeigen auf dem Bildschirm.

(Update 03.09.14: Wenn die Abspielgeschwindigkeit in den Einstellungen auf 40-fach erweitert wurde, wird auf dem Display standardmässig die 8-fache Abspielgeschwindigkeit angezeigt.)

Reserveakku nicht vergessen
Bei meinem ersten Versuch mit der Hyperlapse-App habe ich für ein Timelapse-Video etwa 10 Clips a je rund 10 Minuten aufgenommen, was etwa anderthalb Akkuladungen benötigte. Aber um genügend Länge im Zeitraffermodus zu erhalten, braucht man vorher genügend „Fleisch am Knochen“. Dafür dauert die Verarbeitung der Videos jeweils nicht so lange, denn die App nutzt zur Stabilisierung die Stabilisierungssensoren des Smartphones. Das ist weniger rechenintensiv als beim herkömmlichen Stabilisierungs-Verfahren, der sogenannten Frame-by-Frame-Anlayse. Bei dieser muss eine Software, wie der Name schon sagt, jedes einzelne Frame analysieren.

Fazit
Die App macht, was sie verspricht: Sie stabilisiert und beschleunigt Videos für Timelapses oder Hyperlapses. Und das macht sie gut. Allerdings sind die Einstellungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten ziemlich dürftig. So fehlen mir persönlich eine Pausentaste; die Möglichkeit, die Beschleunigung der Videos nachträglich zu ändern; Filter und/oder Farbregler sowie die Möglichkeit, Musik unter die Videos zu legen. Schade ist zudem, dass die Hyperlapse-Videos auf Instagram auf 15 Sekunden beschnitten werden, wie alle anderen Videos auch. In so kurzer Zeit kommt eine Hyperlapse leider nicht wirklich zur Geltung.

Und hier mein erstes, heute auf dem Nachhauseweg aufgenommenes Hyperlapse-App-Video. Aufgenommen habe ich es mit einem iPhone 5s mit 10-facher Beschleunigung, die Musik sowie das Intro/Outro wurden nachträglich am Rechner im FCPX eingebaut.

5 Tipps für gute Handy-Videos

Ich musste kürzlich diverse von Laien mit dem Handy gefilmte Online-Videos über mich ergehen lassen. Dass solche Videos oftmals ziemlich verwackelt sind, nicht immer alles dort scharf ist, wo es eigentlich sollte oder die Cadrage nicht immer optimal gewählt ist, liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht weiter schlimm. Komplett auf Unverständnis stösst bei mir aber die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die es nicht schaffen, ihr Smartphone beim Filmen in die Horizontale zu bewegen. Die Kollegen von Glove and Boots haben bereits 2012 mit einem witzigen Filmchen dazu aufgerufen, diese Unsitte doch bitte endlich zu lassen. Offensichtlich hat die Botschaft aber bis heute nicht alle Smartphone-Kameraleute und -Regisseure erreicht. Es ist natürlich nicht verboten, vertikale Videos zu drehen – aber es sieht halt einfach ziemlich Scheisse aus.

Hat man das einmal begriffen, ist es eigentlich gar nicht mehr so schwer, auch als Laie mit einem Handy ganz passable Videos zu drehen. Nicht zuletzt, da die meisten Smartphones heutzutage in Full-HD aufnehmen, sodass es an der Auflösung schon mal nicht scheitern dürfte. Und mit den folgenden 5 Tipps, klappt’s auch mit dem Rest:

1. Erst denken, dann drehen

Wenn es die Zeit zulässt, sollte man sich schon vor der Aufnahme genau überlegen, was man eigentlich filmen möchte. Denn möglicherweise sehen gewisse Szenen oder Objekte bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so gut aus oder die Lichtverhältnisse sind nicht optimal. Es muss ja nicht gleich ein Drehplan sein, aber im Vorfeld in etwa zu wissen, was man drehen will, führt erfahrungsgemäss zu ruhigeren und besseren Bildern.

2. Auch ein Stativ sorgt für ruhige Bilder

Mit dem Handy ein Video ohne den kleinsten Wackler zu drehen, ist relativ schwierig. Beim Filmen hat man die Arme meist etwas angewinkelt in der Luft, was nicht wirklich als stabile Haltung zu bezeichnen ist. Daher empfiehlt sich, wenn immer möglich, der Einsatz eines Stativs. Unterdessen gibt es bereits verschiedenste Halterungen, mit denen sich Handys sogar auf Profi-Stative montieren lassen. Videostative unterschieden sich übrigens von Fotostativen: Zu Videostativen gehören sogenannte Stativköpfe, mit Hilfe derer die Kamera ruhig und gleichmässig geschwenkt werden kann. Ich persönlich benutze für DSLR-Kameras und mit dem Handy Stative von Manfrotto und für grosse Kameras Modelle von Vinten.

3. Der Schwenk – Anfang und Ende halten

Schwenks sind eine schöne Sache. Mit einem Schwenk verschafft man dem Zuschauer einen Überblick über eine gewisse Szenerie. Man kann damit beispielsweise Panoramen zeigen oder Zusammenhänge verdeutlichen. Um vor und nach der Szene in der Postproduktion genügend „Fleisch am Knochen“ zu haben, also genügend ruhiges Bildmaterial vor und nach dem eigentlichen Schwenk, empfiehlt es sich, die Kamera vor und nach dem Schwenk jeweils 2 bis 3 Sekunden ruhig laufen zu lassen. Wichtig ist bei einem Schwenk, dass man ihn komplett durchzieht und das zu Beginn gewählte Tempo möglichst bis zum Schluss hält. Unbewegte Bilder ohne Schwenk lässt man übrigens in der Regel mindestens 10 Sekunden stehen.

4. Nicht während der Aufnahme zoomen

Viele Handykameras haben eine Zoom-Funktion, damit man auch aus der Distanz Nahaufnahmen von Objekten drehen kann. Während einer Aufnahme mit einem Handy einen Zoom in oder out zu bewerkstelligen, ist allerdings nicht wirklich sauber möglich. Sobald man versucht auf dem Bildschirm den Zoom zu bedienen, wird die Geschichte meist schon ziemlich wackelig und entsprechend dann natürlich auch die Bilder. Wenn man Objekte mit Hilfe des Zooms zu sich heranholen möchte, dann bitte mit einem Stativ. Denn je mehr man heranzoomt, desto schwieriger wird es, das Bild ruhig zu halten. Erfahrungsgemäss werden Handy-Videos aber besser, wenn man mit dem Gerät an das Objekt herangeht, anstatt zu zoomen.

Und bitte nie gleichzeitig schwenken und zoomen. Das sieht in den wenigsten Fällen wirklich gut aus.

5. Immer für genügend Licht sorgen

Die meisten Handy-Kameras sind nicht besonders lichtstark, auch wenn die Hersteller gerne das Gegenteil behaupten. Zwar gibt es bei vielen Modellen die Möglichkeit, den Blitz als Lichtquelle zu nutzen, doch das bringt meist auch nicht das gewünschte Ergebnis. Deshalb sollte man immer für genügend Licht am Drehort sorgen. In Räumen empfiehlt es sich, erst mal alle Lichter anzumachen. Wenn es danach dann doch zu hell sein sollte, löscht man wieder ein paar davon. Grundsätzlich werden Bilder bei guten Lichtverhältnissen schärfer. In zu dunkler Umgebung werden sie oft etwas matschig.

Und nicht zu vergessen:

Das Smartphone gehört beim Filmen in die Horizontale!

Es muss nicht immer teures Hollywood-Equipment sein

Neben klassischen ENG-Kameras kommen auf meinen Drehs auch immer wieder DSLR-Kameras zum Einsatz, meist in Kombination mit einem 35-mm-Weitwinkelobjektiv. Ich mag das Spiel mit Schärfe/Unschärfe sehr. Es gibt dem Betrachter eine ganz spezielle Nähe zum Geschehen. Kommt dazu, dass der Einsatz dieses Equipments für den Kunden wesentlich günstiger ist, als wenn man die grossen Kamera-Geschütze auffährt.

Kürzlich habe ich für die Auto-Show St.Gallen eine Guerilla-Aktion gefilmt, bei der 4000 Traumautos verschenkt wurden. Um die Passanten, die sich die Autos aussuchten nicht zu erschrecken, habe ich die Aktion mit meiner Canon 600D gefilmt. Den Ton dazu habe ich mit einem RHØDE-Mikrofon eingefangen.

Ein weiterer Grund für die Wahl des Equipments war, dass alles sehr schnell gehen musste am Drehort. Da es für die Aktion verständlicherweise kein Drehbuch gab musste ich flexibel reagieren und meinen Standort am Set schnell wechseln können, ohne die Kamera immer wieder neu einrichten zu müssen. Da die technischen Möglichkeiten eine DSLR wesentlich geringer sind als die einer Profi-Videokamera, ist man im Handling natürlich auch entsprechend schneller.

Den Schnitt meiner Videos mache ich übrigens seit einiger Zeit vor allem auf Final Cut Pro X. Zwar lästern viele Kollegen über das vereinfachte FCP, doch ist es unterdessen wesentlich ausgereifter als die früheren Versionen und dank entsprechenden Plug-ins nun auch in Sachen Effekte und Übergänge sehr breit einsetzbar. Der grösste Vorteil von FCPX gegenüber seinen Vorgängern ist jedoch, dass das Arbeiten durch die vielen Vorlagen vereinfacht wird und somit auch zeitsparender gestaltet werden kann.