Mein Leben als Neo-Pendler

Pendeln (1 von 1)

Seit Anfang November arbeite ich zwei Tage pro Woche als Selbständiger in den Bereichen Text und Video und drei Tage als Teamleiter Content in einer Brandingagentur in Zürich. Das heisst, dass ich nun drei Mal pro Woche mit dem Zug von meinem Wohnort St.Gallen nach Oerlikon fahre – und am Abend natürlich auch wieder zurück. Am Morgen klingelt der Wecker jeweils um 05:45 Uhr, abends bin ich frühestens um 19 Uhr wieder zu Hause. Früh auzufstehen bin ich mir gewohnt, da ich früher im Radio etwa 5 Jahre lang in der Morgenshow mitgewirkt habe und dafür schon um 04:30 Uhr aufstehen musste.

Neuland ist für mich hingegen, dass ich regelmässig eine gleiche Strecke mit dem Zug fahre. Da ich kein Auto habe, mache ich das in der 1. Klasse, was die Sache vor allem bei Stosszeiten wesentlich angenehmer macht.

Meine ersten Pendler-Tage waren allerdings geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. In den ersten vier Tagen erlebte ich bereits zwei Mal einen ausserordentlichen Halt, einen Personen-Unfall mit anschliessender Zug-Räumung, einen Stromausfall, einen Ausfall der Heizung und zwei grössere Verspätungen. Und am vergangenen Donnerstag gab’s noch eine Doppel-Panne: Erst hatte mein Zug „unbestimmte Verspätung“ und als er dann endlich eintraf, liessen sich die Türen nicht öffnen.

Das kostet natürlich Nerven, sowohl meine als auch die meiner Freunde, die natürlich über Social Media über solche Vorkommnisse informiert werden müssen:

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Es gibt aber auch solche, die zeigen durchaus etwas Mitleid:

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Und solche, denen es noch schlechter geht:

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Aber natürlich gab’s in den vergangenen zwei Wochen auch durchaus Positives: So hat mich beispielsweise sehr überrascht, wie flüssig sich die Pendlermassen in Zürich bewegen und wie höflich der Umgang unter den Pendlern ist. Das mag aber ev. auch daran liegen, dass die Züge die ich morgens und abends nehme, selten wirklich überfüllt sind. Deppen, die ihr Gepäck und ihre Beine gerne mal über mehrere Sitze verteilen oder die bei der Einfahrt des Zuges sofort vor die Türen hechten um den aussteigenden Pendlern den Weg zu versperren, gibt’s natürlich auch auf meiner Strecke. Überrascht hat mich diesbezüglich, dass es unterdessen nicht nur Jugendliche oder Erwachsene in den 30ern und 40ern sind, die die Unsitte des „im Weg stehen“ angenommen haben, sondern auch ältere Personen, von denen ich als Kind noch Sätze wie: „Man lässt die Leute erst aussteigen!¨“ eingebläut bekam.

Solche Menschen und solche vom Typ Thunfisch-Sandwich-Esser, Schnarcher, Sabberer, Endlostratscher oder Dusch-Verweigerer machen das Pendeln zu einem ganz besonderen Erlebnis, an dem ich euch (v.a. die Nicht-Pendler) künftig gerne regelmässig teilhaben lassen möchte – Zug um Zug.